Datenjäger aus München

Zwei Informatik-Wissenschaftler haben an der TU München an einer Technologie geforscht, die die Kombination von Daten aus internen und externen Quellen vereinfacht. Heute hält das Startup Fusionbase über 100.000 Datensätze aus 195 Ländern bereit und beliefert auch Konzernkunden mit Informationen. Wir haben mit CEO Kevin Goßling im Interview über die Einsatzgebiete gesprochen.

Fusionbase vereinfacht die Zusammenlegung von Daten aus internen und externen Quellen. Was bedeutet das in der Praxis?

Kevin Goßling Unser CTO Patrick Holl und ich haben bereits während unserer Zeit als Wissenschaftler im Bereich Data Enrichment geforscht und festgestellt, dass die Zusammenlegung von Datensätzen oft sehr aufwendig ist, weil diese oftmals nicht einheitlich sind. Das liegt zum Beispiel an unterschiedlichen technischen Schnittstellen oder Dateiformaten. Wir haben eine Technologie entwickelt, die diese Daten intelligent bündelt. Das ist zum Beispiel für Unternehmen interessant, die externe Daten mit ihren eigenen Daten verbinden möchten.

Wie genau geschieht dies denn?

Kevin Goßling Derzeit ist es meist so, dass Unternehmen die vereinheitlichten externen Daten aus unserem Portal herunterladen und zum Beispiel über eine API in ihren Data Warehouses mit den eigenen internen Daten zusammenlegen. In Zukunft wird es auch die Möglichkeit geben, eigene Daten hochzuladen und diese Daten auf unserer Plattform zu verwalten. Daran arbeiten wir derzeit.

Ist Fusionbase auf bestimmte Branchen fokussiert?

Kevin Goßling Grundsätzlich bieten wir Datensätze aus unterschiedlichsten Segmenten an, das reicht von Informationen zu Bereichen wie Kriminalität, Naturkatastrophen oder Wetter bis hin so Unternehmensdaten, Demografie- oder Finanzdaten. Es haben sich in der Tat einige Schwerpunktbranchen herauskristallisiert, zum Beispiel informationsgetriebene Industrien wie das Finanzwesen, Versicherungen oder auch das Logistiksegment, das besonders abhängig ist von externen Faktoren.

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Welche externen Faktoren können das zum Beispiel sein?

Kevin Goßling Für Logistiker sind Risikoanalysen sehr relevant, diese beinhalten zum Beispiel Daten über drohende Insolvenzen oder potentielle Zombieunternehmen. Auf Basis unserer Daten ist es auch möglich, Ausfallwahrscheinlichkeiten zu berechnen. Gleichzeitig spielen im Bereich Transport und Logistik auch externe Risikofaktoren wie zum Beispiel Naturkatastrophen, die Gefahr von Terroranschlägen oder politische Risiken eine Rolle. Sogar Kleinkriminalität, oder die Arbeitssicherheit können ausschlaggebend sein. Ein Ergebnis der Datenanalyse kann zum Beispiel sein: In diesen Stadtteil solltet ihr besser nicht gehen! Auch für die Wahl eines Produktionsstandortes sind Informationen dieser Art nützlich. Hier können wir Daten zu Lohnkosten, Facharbeiterpotenzial oder Sicherheit beisteuern. Wir können sogar sagen, wie viel Kilometer asphaltierte Straße in Afghanistan verfügbar sind.

Kevin Goßling

Kevin Goßling, CEO Fusionbase

Wie gelangen Sie an diese Daten?

Kevin Goßling Diese Aufgabe ist natürlich arbeitsintensiv. Wir haben ein Team, das für das sogenannte Data Hunting, also das Einsammeln der Daten, zuständig ist. Es gibt vielfältige Quellen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Häufig stammen die Daten aus öffentlichen Quellen oder von kommerziellen Daten-Anbietern. Für unsere Enterprise-Kunden suchen wir natürlich auch individuell und ganz gezielt nach bestimmten Datenquellen. Diese werden auch nicht nur blind gesammelt, sondern kuratiert und natürlich laufend aktualisiert.

Welche Rolle spielt in dem Kontext der Datenschutz?

Kevin Goßling In der Regel beinhaltet unser Daten-Katalog wenig personenbezogene Daten. Eine Ausnahme stellen beispielsweise Insolvenzdaten dar. Der Gesetzgeber schreibt hier eine Veröffentlichung vor und deshalb dürfen diese Daten auch erhoben werden. Wir beraten aber auch unsere Kund:innen hinsichtlich der Verwendung unserer Daten.


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